Aus dem zuvor erwähnten "Porträt einer Stadt - Neues und Historisches in Gröningen" von 1977 (siehe hier), stammt diese Seite nebst Bild.
Das Fachwerkhaus der Grabenstraße 1 wurde 1697 erbaut, zu sehen sind guterhaltene Schnitzarbeiten. Besonders auffällig sind die kugeligen Holznagelköpfe. Mit diesen Holznägeln wird die Balkenkonstruktion zusammengehalten.
Im Bild links zu sehen, befand sich über dem Eingang damals wie heute ein Symbol des Schuhmacherhandwerks.
Kurzer historischer Kontext
Gröningen gehörte 1697 zum Fürstentum Halberstadt, das unter der Herrschaft der Brandenburger Kurfürsten stand. Zu dieser Zeit regierte Kurfürst Friedrich III., der sich nur vier Jahre später (1701) zum ersten König in Preußen krönen sollte.
Das bedeutet: Es wurde in einer Zeit des politischen Aufbruchs und der Konsolidierung gebaut. Der Dreißigjährige Krieg war seit fast 50 Jahren vorbei, und die Region erholte sich wirtschaftlich spürbar.
1697 war Gröningen noch eine bedeutende Residenzstadt. Das prächtige Renaissanceschloss war der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.
Der "Gröninger Riese": Das berühmte Riesenweinfass (eines der größten der Welt) lagerten damals noch im Schlosskeller.
Hofkultur: Wo ein Schloss ist, gibt es Handwerker, Beamte und Bedienstete. Ein Fachwerkhaus aus diesem Jahr wurde höchstwahrscheinlich für jemanden gebaut, der direkt oder indirekt vom regen Treiben am Hofe profitierte.
Im Jahr 1697 war Zar Peter der Große mit seiner Große Gesandtschaft in Gröningen und hat womöglich den Bau dieses Hauses gesehen.
Der Fachwerkstil von 1697 markiert den Übergang von der Renaissance zum Barock.
Die Häuser wurden repräsentativer.
Man verwendete oft Schmuckelemente wie profilierte Balkenköpfe oder Inschriften über der Tür (Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre), die den Stolz und den christlichen Glauben des Bauherrn zeigten.
Wenn wir heute genau hier stehen (51.941238, 11.219218), wo das Foto entstand, können wir dieses Gebäude noch heute sehen.