Dieses Bild vom Stadtturm, bekannt aus der Chronik von Prof. Dr. Beyte aus dem Jahr 1934, stammt vom Maler Arno Fleischer.
Mehrere Mappen mit weiteren Bildern der Stadt, liegen zur Einsicht (im Format A3 und in Farbe) im Museum bereit.
Gemäß einer Karte von 1852 (zu sehen im Eingangsbereich des Museums), stand hier das Walser Tor. Nicht abwegig besteht daher die Vermutung, dass der Stadtturm ein Teil dieser Toranlage war.
Das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen Begriff „welsch“ (oder walsch) ab. Ursprünglich bezeichneten die Germanen damit ihre keltischen und romanischen Nachbarn. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Bedeutung im deutschen Sprachraum:
Bedeutung im Barock/19. Jahrhundert: „Welsch“ oder „Walser“ bedeutete schlicht „italienisch“ oder „französisch“ – also alles, was aus dem romanischen Sprach- und Kulturraum südlich oder westlich der Alpen kam.
Wenn ein Tor „Walser Tor“ genannt wurde, lag das meist an zwei möglichen Gründen:
Die Richtung: Es war das Stadttor, das geografisch in die Richtung des „welschen“ (südeuropäischen) Fernhandels wies. In Gröningen liegt der Trum jedoch nord-östlich vom Stadtzentrum.
Die Baumeister: Da Gröningen durch sein prächtiges Renaissanceschloss und die Halberstädter Bischöfe ein bedeutendes Zentrum war, wurden im 16. und 17. Jahrhundert oft italienische (welsche) Steinmetze und Baumeister für die Festungsanlagen und Tore engagiert. Hatte das Tor eine barocke oder italienisch geprägte Architektur, nannte der Volksmund es oft das „Walsche“ oder „Walser Tor“.
Dass dieses Tor in Verbindung mit einem Wassertor steht, ist aufgrund der Lage sehr wahrscheinlich der Nähe zur Bode und dem Mühlgraben geschuldet.
Ein „Wassertor“ lag immer dort, wo ein Fluss oder Graben die Stadtmauer passierte oder wo die Einwohner Zugang zum Wasser hatten (bzw. eine Brücke über einen Fluss führte).
Da die Stadtbefestigungen im 19. Jahrhundert (meist zwischen 1800 und 1880) schrittweise zurückgebaut, abgerissen oder für den modernen Verkehr erweitert wurden, verschwanden die Tortürme.
Auf deiner Karte von 1892 ist das Tor vermutlich deshalb noch eingezeichnet, weil es entweder kurz zuvor abgerissen wurde oder der Ort (die Straßenkreuzung/der Durchgang) im Volksmund und in amtlichen Plänen schlicht den historischen Namen behalten hatte – ein Phänomen, das man in fast jeder alten Stadt findet.
Heute kann man an dieser Stelle (51°56'28.7"N 11°12'58.8"E) den alten Turm und das Tor nur noch erahnen.