Als wir das Museum übernommen haben, gab es mehrere Tafeln über bekannte Persönlichkeiten der Stadt Gröningen. So auch zu Louise Asten (siehe links) - doch ohne Bild von ihr?
Louise Aston, bekannt als deutsche Schriftstellerin, als Vorkämpferin für die demokratische Revolution und Frauenbewegung, ist außerordentlich bemerkenswert.
Da sie 1814 geboren wurde, gibt es nur Zeichnungen und Stahlstiche von ihr.
Die Auswahl ist sehr dürftig und zum Teil fraglich.
So werden bis heute Diskussionen geführt, ob das Bild von Johann Baptist Reiter "Die Emanzipierte" wirklich sie darstellen könnte.
Wenn man sich etwas Zeit nimmt und ihre Biografie studiert, findet man bald die Beschreibung von Otto von Corvin. Seine Beschreibung passt so gar nicht zu den Zeichnungen, doch die Unterschiede lassen sich in den verwendeten Zeichentechniken (zur damaligen Zeit konnten helle Haartöne nur schlecht oder gar nicht darstellt werden) erklären. Zumindest ist die Beschreibung von Otto von Corvin, die eines Freundes und echten Zeitzeugen:
"Sie mochte 30 Jahre alt sein, war blond und trug ihr Haar in vielen kleinen Locken, wie man es sonst à la neige nannte und was zu ihrem hübschen, zarten Gesicht ganz allerliebst stand. Ihre Figur war eher groß als klein zu nennen und ihre ganze Erscheinung die einer eleganten Frau. Aus ihren schönen, blauen Augen sprach viel Geist und Gefühl. Der Ton ihrer Stimme legte sich schmeichelnd an das Ohr, ja, er war rührend, besonders wenn sie die Leidende spielte, in welcher Rolle sie sich gefiel. Damals litt sie an der Einbildung, daß sie am zweiten Weihnachtstage sterben werde ... Sie war eine begabte Dichterin, und ihre Verse sprachen mich bei weitem mehr an als ihre Romane."
Wenn wir ChatGPT bitten, anhand der alten Zeichnungen von ihr und der Beschreibung Otto von Corvin ein neues Bild zu erstellen, dann erhalten wir das linke Bild.
Wir wissen, dass sie für die damalige Zeit sehr besonders auftrat und unter anderem den Club Emanzipierter Frauen gründete:
1846 wurde sie wegen ihres Nonkonformismus (sie veröffentlichte erotische Gedichte, trug Männerkleidung und rauchte auf der Straße) und ihrer offenen Verneinung jeder Form von organisierter Religiosität als „staatsgefährliche Person“ aus Berlin ausgewiesen.
Wenn wir ChatGPT bitten mit diesen Informationen ein Bild von ihr in den Straßen von Berlin um 1846 zu zeichnen, erhalten wir das rechte Bild.
Zugegeben, genauso wird es nicht gewesen sein - doch wohl sehr ähnlich, wenn wir den Zeitzeugenberichten Glauben schenken können.
Ein weiterer Aspekt, der bisher kaum Erwähnung findet:
Da Louises Vater Superintendent in Gröningen und Pfarrer an St. Martini war und sie zuhause unterrichtet wurde, dürfte das alte Pfarrhaus am Kirchplatz 4 ihr Elternhaus gewesen sein. Heute befindet sich dort der Verein KirchplatzVier e.V.. Vermutlich verbrachte sie dort ihre Kindheit und Jugend.
Das Haus am Kirchplatz 4 (51°55'57.3"N 11°13'01.2"E) kann zu besonderen Anlässen des Vereins KirchplatzVier e.V. auch teilweise von innen besichtigt werden. An welchem Ort kann man Geschichte wohl noch so nah erleben?